Dienstag, 23.07.2024
IlonaBurschl (CC0), Pixabay

Der idyllische Urlaub auf dem Bauernhof, einst der Geheimtipp für Familien und Naturliebhaber, erlebt einen dramatischen Rückgang. Nach dem Boom während der Corona-Pandemie scheint die Luft raus zu sein aus diesem einstmals so beliebten Urlaubskonzept.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während im Jahr 2021 noch rekordverdächtige 1,9 Millionen Gäste ihre Ferien auf deutschen Bauernhöfen verbrachten, sank diese Zahl im vergangenen Jahr auf nur noch 1,6 Millionen. Ein Rückgang von satten 15 Prozent, der die Branche erschüttert.

Noch deutlicher wird der Einbruch bei den Übernachtungen. Hier verzeichneten die Bauernhöfe einen Rückgang von 6,9 Millionen im Corona-Hochjahr 2021 auf nunmehr 5,9 Millionen im Jahr 2023. Eine Million Übernachtungen weniger – für viele Betriebe eine existenzbedrohende Entwicklung.

„Wir sind vom Himmel in die Hölle gefallen“, klagt Bauer Heinz Müller aus dem Schwarzwald. „Während der Pandemie konnten wir uns vor Anfragen kaum retten. Jetzt stehen unsere Ferienwohnungen leer.“ Müller hatte, wie viele seiner Kollegen, in den guten Jahren kräftig investiert. Neue Unterkünfte wurden gebaut, Spielplätze angelegt, Wellnessbereiche eingerichtet. Investitionen, die sich nun möglicherweise nicht mehr rechnen.

Experten sehen mehrere Gründe für den Einbruch. Zum einen lockt das wiedereröffnete Ausland mit Sonne, Strand und Meer. Zum anderen haben viele Deutsche nach den Entbehrungen der Corona-Jahre Nachholbedarf in Sachen Luxus und Komfort. Da kann der rustikale Charme eines Bauernhofs oft nicht mithalten.

„Die Ansprüche der Gäste sind enorm gestiegen“, bestätigt Tourismusexpertin Dr. Sabine Weber. „Viele erwarten heute Vier-Sterne-Standard zum Bauernhof-Preis. Das können die meisten Betriebe einfach nicht leisten.“

Hinzu kommt die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Familien. Steigende Lebenshaltungskosten zwingen zum Sparen – und da fällt der Urlaub oft als erstes weg. „Früher kamen die Gäste für zwei Wochen, heute buchen viele nur noch ein verlängertes Wochenende“, berichtet Bäuerin Maria Schmidt aus Bayern.

Doch es gibt auch Lichtblicke. Einige findige Landwirte haben sich neu erfunden und bieten nun spezielle Erlebnisurlaube an. Vom Traktor-Führerschein bis zum Käse-Workshop – wer mehr als nur Kühe und Hühner bietet, kann sich noch behaupten. „Man muss den Städtern etwas Besonderes bieten“, erklärt Jungbauer Markus Klein. „Einfach nur frische Luft reicht heute nicht mehr.“

Auch die Politik ist alarmiert. In einigen Bundesländern werden bereits Förderprogramme diskutiert, um den ländlichen Tourismus zu stützen. Denn klar ist: Stirbt der Bauernhof-Urlaub, verlieren viele strukturschwache Regionen eine wichtige Einnahmequelle.

Trotz aller Herausforderungen geben sich viele Bauern kämpferisch. „Wir haben schon ganz andere Krisen überstanden“, sagt Bäuerin Schmidt trotzig. „Irgendwann werden die Menschen schon merken, was sie an uns haben.“ Bis dahin heißt es durchhalten – und hoffen, dass der nächste Sommer die Wende bringt.

Für viele Stadtmenschen bleibt der Bauernhof-Urlaub trotz allem eine willkommene Auszeit vom hektischen Alltag. Bleibt zu hoffen, dass dieses Stück deutscher Urlaubskultur nicht zum Opfer von Globalisierung und steigenden Ansprüchen wird. Denn eines ist klar: Einmal ausgestorben, lässt sich diese besondere Form des Tourismus kaum wiederbeleben.

 

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